Was kostet eine Berufsunfähigkeitsversicherung (BU)?
Ganz ehrlich: das kommt drauf an. Der Beitrag einer Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab und wird je nach Versicherer unterschiedlich berechnet. Deshalb kann er stark variieren und bei einem Versicherer deutlich niedriger/höher sein, als bei einem Anderen. Deshalb ist ein erfahrenerer Versicherungsmakler hier ein wertvoller Begleiter für die Auswahl von Versicherer und Tarif, weil ein Vergleich von vielen Anbietern erstellt werden kann.
Wichtige Merkmale für die Berechnung des Preises sind zum Beispiel:
Das Alter bei Abschluss (Eintrittsalter) der BU
Je früher eine BU gemacht wird, desto günstiger ist der monatliche Beitrag.
Jüngere Menschen haben in der Regel eine geringere Wahrscheinlichkeit, in den nächsten Jahren gesundheitliche Probleme zu bekommen, die zur Berufsunfähigkeit führen. Die Versicherer kalkulieren den Beitrag daher bei jüngeren Eintrittsaltern deutlich günstiger.
Zusätzlich hat ein früher Abschluss den Vorteil, dass man meist noch keine oder wenige Vorerkrankungen hat. Je älter man beim Abschluss ist, desto höher ist das Risiko aus Sicht des Versicherers – und desto höher wird der monatliche Beitrag.
Ein konkretes Beispiel: Hans Kfz-Mechatroniker, 1.800€ BU-Rente bis 65
Mit 25 Jahren = ca. 77€ monatlich / Mit 30 Jahren = ca. 82€ / Mit 35 Jahren = ca. 90€
Es gilt also: am besten so früh wie möglich gegen Berufsunfähigkeit versichern. Am besten bereits als Kind bzw. Schüler.
Der Beruf und die Ausbildung
Die Höhe der versicherten BU-Rente
Büro- und Akademikerberufe sind am günstigsten. Körperlich anspruchsvolle Berufe wie Handwerk, Bau, Pflege oder Produktion werden in höhere Risikogruppen eingestuft und sind entsprechend teurer. Eine genaue Beschreibung Ihrer Tätigkeit kann hier viel Geld sparen.
Konkretes Beispiel. 30 Jahre alt, 2.000€ BU-Rente bis 65
Diplom-Informatiker = ca. 40€ / Bankkauffrau = ca. 65 € / Physiotherapeutin = ca. 110 € / Schreiner = ca. 145 €
Je höher die versicherte Rente, desto höher der Beitrag. Eigentlich logisch. Je höher die Rente, desto höher ist der Leistungsumfang des Versicherers und somit auch die Risikoprämie. Hier gehts oft um einen Barwert von mehreren 100.000 €.
Die Laufzeit des Vertrages (Endalter)
Die späten Jahre sind die mit der höchsten statistischen Wahrscheinlichkeit einer BU. Deshalb sind gerade die Jahre ab Mitte 60 sehr beitragsintensiv.
Konkretes Beispiel: Lisa, 25, Einzelhandelskauffrau, 1.500€ BU-Rente
Bis 67 = ca. 80€ / Bis 65 = ca. 70€ / Bis 63 = ca. 60€
Rauchen und der BMI außerhalb der Norm
Gesundheitszustand und Vorerkrankungen
Dabei handelt es sich um Faktoren, welche statistisch betrachtet einen negativen Einfluss auf die Gesundheit haben und damit das BU-Risiko erhöhen. Ein Raucher bezahlt bei den meisten Versicherern einen Zuschlag.
Beim BMI wird ebenfalls mit einem Zuschlag gearbeitet. Sowohl bei Über-, als auch, bei Untergewicht.
Wobei das Untergewicht in der Praxis deutlich seltener vorkommt
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Beispiel: Max, 30 Jahre, Softwareentwickler (Master), 3.000 € BU-Rente bis 67
Als Nichtraucher = ca. 90€ / Als Raucher = ca. 100€
Als Nichtraucher mit BMI 33 = ca. 130€
Vorerkrankungen, Operationen, Medikamente oder Beschwerden werden bei der Risikoprüfung versicherungsmedizinisch beurteilt. Mögliche Folgen sind Risikozuschläge, Leistungsausschlüsse oder im schlimmsten Fall eine Ablehnung. Je früher Sie abschließen, desto geringer ist normalerweise die Wahrscheinlichkeit für gesundheitliche Einschränkungen.
Ein häufiges Beispiel für einen Risikozuschlag ist Bluthochdruck (Hypertonie). Die Höhe hängt dann von den Werten, der Therapie und weiteren Risikofaktoren ab.
Wichtige Leistungsmerkmale – nicht nur auf den Preis schauen
Bei der Berufsunfähigkeitsversicherung gilt eine wichtige Regel: Vergleichen Sie niemals nur die Beiträge. Viele Tarife unterscheiden sich erheblich darin, welche Leistungen bereits im Beitrag enthalten sind und welche nur gegen einen Aufpreis hinzugebucht werden können. Was bei einem Versicherer als teurer „Zusatzbaustein“ angeboten wird, ist bei einem anderen Anbieter möglicherweise bereits Standard. Wer hier nur auf den monatlichen Beitrag schaut, vergleicht schnell Äpfel mit Birnen.
Besonders relevant sind dabei folgende Leistungsmerkmale:
Arbeitsunfähigkeitsklausel (AU-Klausel) Manche Tarife zahlen die BU-Rente bereits bei längerer Arbeitsunfähigkeit (meist ab dem 6. Monat), ohne dass eine dauerhafte Berufsunfähigkeit festgestellt werden muss. Bei anderen Versicherern ist diese Leistung nur gegen einen deutlichen Mehrbeitrag erhältlich oder fehlt ganz. Gerade in den ersten Monaten einer Erkrankung kann diese Klausel einen großen Unterschied machen.
Schnelle oder erweiterte Leistung bei schweren Krankheiten Einige Tarife sehen bei bestimmten schweren Erkrankungen (zum Beispiel Krebs, Herzinfarkt oder Schlaganfall) eine beschleunigte Leistungsprüfung oder sogar eine vereinfachte Anerkennung vor. In manchen Fällen wird bereits bei Diagnose oder nach einer kürzeren Frist geleistet. Auch hier gibt es große Unterschiede zwischen den Anbietern: Bei manchen Versicherern ist diese Regelung bereits fester Bestandteil des Tarifs, bei anderen muss sie als kostenpflichtiger Zusatzbaustein hinzugebucht werden oder fehlt komplett.
Mein klarer Rat: Entscheiden Sie sich nicht für den billigsten Tarif, sondern für den Tarif mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis. Eine Berufsunfähigkeitsversicherung begleitet Sie oft 30 bis 40 Jahre. Im Ernstfall muss sie zuverlässig und ohne große Einschränkungen leisten. Deshalb ist es entscheidend, genau hinzuschauen, welche Leistungen tatsächlich im Beitrag enthalten sind – und welche nur gegen Aufpreis dazukommen.
Bruttobeitrag und Nettobeitrag – Der wichtige Unterschied
Viele BU-Angebote zeigen zwei Beträge: den Bruttobeitrag und den Nettobeitrag (auch Zahlbeitrag genannt). Das ist ein zentrales Thema, das viele Versicherte nicht richtig verstehen.
- Bruttobeitrag (Tarifbeitrag): Das ist der vom Versicherer kalkulierte Höchstbeitrag. Er enthält alle Sicherheitszuschläge und stellt die Obergrenze dar. Im Extremfall kann der Versicherer den Bruttobeitrag auch nach § 163 VVG anpassen, wenn sich die zugrunde liegenden Rechnungsgrundlagen wesentlich ändern.
- Nettobeitrag (Zahlbeitrag): Das ist der Betrag, der tatsächlich monatlich abgebucht wird. Er ist um die erwartete Überschussbeteiligung reduziert.
Wichtig: Der Nettobeitrag ist nicht garantiert. Wenn die tatsächliche Entwicklung schlechter verläuft als erwartet (mehr Leistungsfälle oder schwache Kapitalerträge), kann der Versicherer die Überschüsse kürzen oder streichen. In diesem Fall steigt Ihr Beitrag bis zum Bruttobeitrag. Man spricht hier vom Verteuerungsrisiko. Besonders Tarife mit einer großen Spanne zwischen Brutto- und Nettobeitrag bergen langfristig ein höheres Risiko von Beitragserhöhungen.
In der Vergangenheit haben manche Versicherer dieses Risiko unterschätzt und Tarife vor allem über einen sehr günstigen Nettobeitrag verkauft. Als die tatsächliche Schadenentwicklung und die Kapitalerträge nicht den optimistischen Annahmen entsprachen, wurden die Überschüsse gekürzt – mit teilweise spürbaren Beitragserhöhungen für die Bestandskunden.
Mein Tipp als unabhängiger Makler: Achten Sie nicht nur auf den niedrigsten Einstiegs-Nettobeitrag. Prüfen Sie auch die Beitragsstabilität des Versicherers in der Vergangenheit. Manche Anbieter kalkulieren bewusst konservativer und bieten dadurch mehr Planungssicherheit über Jahrzehnte.
Dennoch ist eine gewisse Flexibilität bei der Beitragsanpassung wichtig. Sie ermöglicht es dem Versicherer, den Schutz langfristig aufrechtzuerhalten, wenn sich neue Krankheitsbilder oder Risiken in der Gesellschaft verändern.
Fazit
Eine Berufsunfähigkeitsversicherung ist für die meisten Menschen günstiger, als viele denken – vor allem bei jungem Eintrittsalter und guter Gesundheit. Dennoch lohnt es sich nicht, am falschen Ende zu sparen. Eine gute BU schützt Ihr wichtigstes Gut: Ihre Arbeitskraft.
Da Beiträge und Bedingungen stark variieren, ist ein individueller Tarifvergleich unerlässlich. Nur so finden Sie den Tarif, der wirklich zu Ihrer Situation passt – bei fairem Preis und guter Beitragsstabilität.
Möchten Sie wissen, was eine BU in Ihrer persönlichen Situation kosten würde? Gerne erstelle ich Ihnen einen individuellen Vergleich und prüfe vorab diskret Ihre Gesundheitshistorie. Kontaktieren Sie mich einfach für ein unverbindliches Beratungsgespräch.
Autor: Sven Markus Kraus, Fachwirt für Versicherungen und Finanzen. Ehemaliger Risikoprüfer, Maklerbetreuer und Vertriebsmanager mit Schwerpunkt Berufsunfähigkeitsversicherung.
Die Beiträge zu den Beispielen stammen von verschiedenen Versicherern auf Basis der Quelle Morgen&Morgen und beziehen sich auf monatliche Beitragszahlung. Stand Juli 2026.